Sonntag, 4. September 2011

Peru/Bolivien 4. August - 4. September '11

Die nächste Destination hiess dann Cusco, welche auf über 3400 Metern als grösste Hochburg der Inkas und als Nabel der Welt dieser Kultur bezeichnet wird. Sie gilt auch als Touristenmagnet, von wo aus verschiedene Touren und Treks vermittelt werden, welche u.a. zum heiligen Tal und als Höhepunkt zur weltbekannten Inkastätte Machu Picchu führen.
Abfahrtsbereit im Hostel warteten wir in Arequipa zu viert auf unser Taxi, welches uns zum Busterminal bringen sollte, damit wir unsere ca. 10-stündige Übernachtfahrt nach Cusco antreten konnten. Aus unerklärlichen Gründen, wollte das bestellte Taxi aber einfach nicht kommen. Wir hatten zwar genug Zeit eingeplant, jedoch nach 3/4-stündiger Wartezeit wurde die Zeit dann doch langsam knapp. Somit sahen wir uns gezwungen, ein anderes Taxi aufzusuchen, welches uns dann 5 Minuten nach der offiziellen Abfahrtszeit beim Terminal absetzte. Kurt rannte wie vorher abgemacht, ohne Gepäck dafür mit den Tickets zum Busterminal an den Schalter unseres Busunternehmens, um uns Anzumelden bzw. den Bus aufzuhalten. Dort angekommen, sagte man nur, der Bus sei schon abgefahren und nach mehrmaligem Nachhaken, musste diese Erklärung akzeptiert werden. Kurt wartete dort am Schalter auf Janine und die Basler Reisefreunde Jerome und Isabelle, welche jedoch einfach nicht nachkommen wollten. Janine und die Basler bezahlten das Taxi und gingen mit allem Gepäck nachträglich auch Richtung Busschalter. Dort angekommen, war aber weit und breit kein Kurt zu sehen. Man stellte sich die Frage: Wo ist Kurt ? Die betreffenden Angestellen des Unternehmens teilten ihnen genervt mit, dass der Bus noch hier ist, sie aber jetzt einsteigen müssen. Nach mehrmaligem Erklären, dass der vierte Passagier noch fehlt und dieser auch die Tickets hat, wurde die Situation immer stressiger und sie schrieben die Übernachtfahrt langsam ab. Nach schweisstreibenden Minuten und allen möglichen Aufhalteversuche tauchte Kurt dann plötzlich auf und die Fahrt zuvorderst auf unseren Panoramasitzen konnte mit einer  halben Stunde Verspätung in Angriff genommen werden. Der Clou der ganzen Sache war, dass es zwei identische Terminals gleich nebeneinander gab und Kurt zuerst den falschen ansteuerte. Bei der Fahrt ging es dann gleich mit erhöhtem Blutdruck weiter, als wir die Vorhänge beiseite schoben, blickten wir auf eine sehr brüchige Fensterfront (was hier eigentlich nicht unüblich ist). Ok, dann schnallen wir uns mal an. Ja super, die Gurte funktionierten gar nicht. Weiters hörten wir unbehagte Geräusche von den Buswänden und unerklärbare Pfiffe. Das wird ja eine tolle Fahrt. Mit Hänkerhumor nahmen wir die ganze Sache nicht so ernst und konnten dann  nach einer durchzechten Nacht beim Busterminal in Cusco endlich aussteigen.
In Cusco verbrachten wir 3 Tage mit gutem Essen, jassen, umherschlendern und Machu Picchu - Tour organisieren. Wir entschlossen uns schlussendlich, keinen mehrtägigen Trek zur Inkastätte zu machen, sondern das ganze in der Art und Weise eines Pensioniertenausflugs zu unternehmen. So bereisten wir per Bus, Colectivo und Taxi das heilige Tal und schauten uns da die verschiedenen Inkastätten in Pisac und Ollantaytambo an.  Von letzterer ging es dann per Zug nach Aguas Calientes, das letzte Dorf im Tal und Ausgangspunkt für Machu Picchu. Am nächsten Morgen um 4.30 Uhr marschierten wir los. Nach einer halben Stunde gings dann 1h lang 1000 Meter Treppensteigen den Berg hinauf. Um 6 Uhr trafen wir völlig erschöpft auf eine riesige Warteschlange vor dem Eingangstor. Dann war der Augenblick gekommen und wir erblickten vor Sonnenaufgang die heilige Stätte. Die Stimmung war fantastisch und nachdem die Sonne einen gewissen Stand erreichte und wir die obligaten Fotos geschossen hatten, machten wir es uns mit einer tollen Aussicht auf die Stätte gemütlich. Nach Pensionären-Manier packten wir unser schweizer Plättli (Salami, Käse, Brot, Tomaten und Wein) aus und wollten gerade auf unser Wohl anstossen, da kam ein Lama in vollem Tempo auf uns zugerannt. In letzter Sekunde hielt es dann aber inne, schaute uns blöd an, und wir konnten unser Vesper beginnen. Einfach herrlich !

Wieder mit Zug und Bus zurück in Cusco gings am Abend gleich weiter mit dem Nachtbus nach Puno an den grössten und höchstgelegenen schiffbefahrenen See der Welt auf 3800m, dem Titicacasee. Am Morgenfrüh dort angekommen, entschieden wir uns kurzerhand, gleich weiter nach Bolivien zu reisen. Somit gings nach einem wunderprächtigen Sonnenaufgang über dem Titicacasee weiter nach Copacabana (Bolivien), auf die andere Seite des Sees. Von da gingen wir dann am nächsten Tag per Boot auf die Isla del Sol. Auf dieser wunderschönen Insel verbrachten wir drei ruhige und sonnige Tage und konnten uns wieder einmal so richtig entspannen. Die Nächte hier wurden aber bitterkalt, da wir auch auf knapp 4000m Höhe waren. Somit waren wir für Bolivien eingestimmt, da es noch viele kalte Nächte geben sollte. 
Dann gingen wir zur bolivianischen Regierungsstadt nach La Paz, welche in einem Bergkessel furchterregend auf  3660m thront. Hier waren wir in der Nähe des Hexenmarkts einquartiert, auf welchem sie Lamaföten, Räucherwerk, Heilkräuter und dergleichen verkaufen. Eines Abends gingen wir noch zu einem Inder Nachtessen, wo es angeblich das schärfste Essen von ganz Südamerika gibt. Ganze 40 Chilischoten werden zu einem Menu verarbeitet und wer sich dies antut, wird mit einem T-Shirt belohnt. Wir trauten uns dies jedoch nicht zu, bekamen aber eine Schote zum probieren und bereits ein kleiner Biss haute uns fast aus den Socken. 

Da die Reisezeit für Jerome und Isabelle bald dem Ende zuneigte und sie nur noch für Bolivien 10 Tage zur Verfügung hatten, beschlossen wir kurzerhand diese restlichen Tage noch miteinander mit einem reichlich ausgestatteten Programm zu verbringen. So brachen wir am nächsten Morgen um 7 Uhr  auf, um die gefährlichste Strasse der Welt, bekannt als "camino de la muerte", die Todesstrasse, per Bike in Angriff zu nehmen. Von 4700m bretterten wir mit dem Bike auf der knappen 2m breiten Kiesstrasse runter in den Dschungel auf 1100m.  Es war ein einmaliges Erlebnis, obwohl wir den steilen Abgrund nebenan  kaum wahrgenommen haben, da wir mit dem Wetter einwenig Pech hatten und der grösste Teil der Schlucht vom Nebel bedeckt war. Am nächsten Tag hiess es dann Aufbruch Richtung Flughafen. Mit einer kleinen 19-plätzigen Propellermaschine (Janine's Lieblingsflugzeuge) flogen wir 35min gen Norden nach Rurrenabaque ins Amazonasgebiet. Dort am winzigen spartanischen Flughafen wurden wir von unserer Touragentur abgeholt und fuhren mit vier anderen Reisenden zuerst mal 3h Holperpiste Richtung Pampas. Am Fluss "Rio Yacuma", welcher letztendlich in den Amazonas gelangt, wechselten wir dann mit der ganzen Truppe nach dieser Holperfahrt auf ein langes Motorkanu. Dieses war mit Campingstühlen ausgerichtet und wir konnten mit gestreckten Füssen die eindrucksvollen Naturgegebenheiten genussvoll beobachten. Auf dieser weiteren dreistündigen Fahrt bekamen wir u.a. etliche Alligatoren, Tapire, Affen, Vögel, Reiher, Schildkröten sowie rosarote Amazonasdelfine zu Gesicht. Wir waren in einer Herberge nach Pampa-Style an einem Flussufer untergebracht und waren somit für zwei Nächte völlig abgeschnitten von der Zivilisation. Als Höhepunkte dieses Trips galten das Suchen nach Anakonda-Schlangen, Piranhafischen und ein Volleyballspiel mit Reisenden und Einheimischen in einer unbeschreiblichen Abendstimmung. Wieder zurück in Rurrenabaque gab es in diesem herrlichen Touristenörtchen  noch eine Übernachtung und für 12.00 Uhr war dann der Rückflug nach La Paz  geplant. Nur, anderthalb Stunden vorher am "Flughafen" angekommen, war kein Flughafenangesteller weit und breit zu sehen. Wir machten es uns dann ein paar Meter nebenan bei einem "Barracken"-Cafe gemütlich. Als es dann bereits 12.00 Uhr war und unser Flieger eigentlich abheben sollte, war weder Flieger noch irgendwelches Personal in Sicht. So warteten und warteten wir bis sich mal etwas tat. Tatsächlich kam dann unser Flieger doch noch und wir konnten mit 4 Stunden Verspätung endlich Richtung La Paz abheben. In La Paz reichte es gerade noch um zurück ins Hostel zu gehen, unsere dagelassenen Sachen zu holen und zum Busbahnhof zu gehen, um unseren Nachtbus Richtung Süden  nach Uyuni zu erwischen. Früh morgens in Uyuni angekommen, wurden wir von eisiger Kälte in Empfang genommen. Nach einem feinen Frühstück starteten wir unsere Uyuni-Tour um 9 Uhr zusammen mit unserem Führer und Koch Juan.  Zuerst schauten wir uns den nahegelegenen "Cementerio de tren" (Zugfriedhof) an, dann die weisse surreale Landschaft des Salar de Uyuni. Dies ist die grösste Salzwüste der Welt, liegt auf 3653m und bedeckt eine Fläche von 12'106 km2. Nach der Nacht in einer Unterkunft, welche aus Salz erbaut wurde, gings weiter südlich, durch die karge und impossante Landschaft Richtung nahegelegener chilenischer und argentinischer Grenze, zu verschieden farbigen Lagunen, wo auch viele Flamingos ihr Zuhause haben. Die zweite Nacht verbrachten wir bei der rotgefärbten Laguna Colorada auf 4800m, wo die Kälte in der Nacht  kaum auszuhalten war. Doch zu viert in einem Zimmer, komplett angezogen inklusive gestrickter Alpaka-Kniesocken (Janine), Schlafsack und drei Lagen Wolldecken konnten wir dann doch  noch einschlafen, bis wir morgens um 4.30 Uhr wieder aufstehen mussten, um unseren letzten Tag der Tour in Angriff zu nehmen. In der Früh gings mit dem Jeep als Erstes über einen 5000er-Pass, dann bestaunten wir mehrere Geysire und danach gab es die Möglichkeit in einer heissen Thermalquelle zu baden. Da es morgens um 7 Uhr jedoch bitterkalt war, traute sich  für dies keiner die Klamotten fallen zu lassen. Nach dem Frühstück fuhren wir zum letzten Highlight dieser Tour, zur Laguna Verde (4800m), welche im Länderdreieck von Argentinien, Chile und Bolivien liegt. Dann hiess es 6h Jeepfahren zurück zum Ausgangspunkt Uyuni. Dort hiess es dann nach über 5 Wochen gemeinsamer unvergesslicher Reise, Abschied von unseren Baslerfreunde Isabelle und Jerome zu nehmen. Ihre Reise ging wieder zurück nach La Paz. Für uns hiess die nächste Station Sucre, die offizielle Hauptstadt Boliviens.
Wie geplant, trafen wir nach einem Tag Zweisamkeit, wieder auf zwei bekannte Gesichter. Steffi und Fiu, zwei ehemalige St. Galler - Arbeitskollegen von Kurt, welche seit August von Buenos Aires aus auch die Welt bereisen. Hier in Sucre geniessen wir gegenüber den letzten kompakten Tagen eher wieder eine ruhigere Zeit und geniessen das angenehme Klima. Am zweiten Abend lernten wir per Zufall einen schweizer Entwicklungshelfer kennen, durch welchen wir wiederum mit einem langjährigen deutschen Pionier der örtlichen Entwicklungshilfe in ein interessantes Gespräch kamen.
Seit gestern sind wir nun zu viert in einer Mini-Wohnung einquartiert und werden in nächster Zeit "on the road again" via Potosi in den Süden nach Tupiza weiterreisen, um dann bald mal Argentinien, das zweitletzte Land unserer Südamerika-Reise, zu erkunden. 


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